Bis vor etwa zehn Jahren war Herbert Grönemeyer ein erfolgreicher Künstler, der viele Millionen Platten verkaufen konnte. Hits wie „Alkohol“, „Bochum“ oder „Männer“ pflasterten seine Karriere. Es gab nur ein großes Manko: Grönemeyer polarisierte mehr, als dass er geliebt wurde. Sein nasaler Gesang, und auch die Tatsache, dass die Musik eher als Gassenhauer denn als modernes Statement taugte, riefen Kritiker auf den Plan. Das alles änderte sich erst schlagartig, als Grönemeyers Muse und Ehefrau Anna tragisch an Brustkrebs verstarb.

Tiefes Mitgefühl und Sympathie ereilten den Barden aus dem tiefen Westen, der diesen Tiefschlag in einem der erfolgreichsten deutschen Alben aller Zeiten verarbeitete: „Mensch“. Darauf zeigte sich Grönemeyer so weich, so ehrlich und auch so menschlich wie nie zuvor. Auch wenn die Texte kryptisch blieben, so dass man nur mutmaßen konnte, was der tiefere Sinn hinter den Liedern war: Jeder konnte sich mit Liedern wie „Mensch“, „Der Weg“ oder „Demo (Letzter Tag)“ identifizieren. „Mensch“ war die zweite Geburt des Musikers Herbert Grönemeyer.

Insofern ist es sehr konsequent, wenn jetzt mit „Was muss muss“ ein Album erscheint, das alle Hits seit diesem Moment bündelt. Wobei das so nicht ganz richtig ist. Das Album vor „Mensch“, „Bleibt alles anders“ läutete bereits zu Lebzeiten von Anna Henkel-Grönemeyer die Metamorphose Grönemeyers ein, doch bis zu ihrem Tod blieb es ein Ladenhüter.

Wer Grönemeyer erst mit „Mensch“ für sich entdeckte, für den ist „Was muss muss“ das perfekte Album. Es vereint alle Hits und sorgt dafür, dass auch „Bleibt alles anders“ zu seinem späten, aber wohlverdienten, Ruhm gelangt.